Aufrüttelndes Dokutheater - außergewöhnliche Produktion in Rottenburg

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Werbeplakat für das Theaterstück "see not rescue".

"see not rescue - Mayday auf dem Mittelmeer" ist ganz sicher kein "Wohlfühl-Theater", aber ein sehenswertes Stück, das eben nicht schweigt. Es beruht auf Originaldokumenten, Funkprotokollen und eigens geführten Interviews. Im Zentrum stehen die Stimmen von Menschen, die überlebt haben. Ihre Erzählungen, ergänzt durch Erfahrungsberichte von Kapitän*innen und Ärzt*innen, machen sichtbar, was sonst verdrängt wird: die politische Dimension des Sterbens im Mittelmeer. Drei Schauspieler*innen - einer von ihnen hat selbst als Geflüchteter die Überfahrt im Schlauboot überlebt - und ein Musiker erzählen von den Strukturen, Entscheidungen und Verhinderungen, die Europas Umgang mit Flucht und Seenot prägen. Im Mittelpunkt stehen nicht abstrakte Zahlen, sondern Menschen und ihre Geschichten.

Während das Thema derzeit weitestgehend aus den Medien verschwunden ist, ist es der Stadt Rottenburg am Neckar ein wichtiges Anliegen, diese außergewöhnliche Produktion in den seit 2019 erklärten "Sicheren Hafen" zu holen. Oberbürgermeister Stephan Neher war kürzlich selbst Podiumsgast im Anschluss an die Aufführung in Frankfurt: "Es ist erschreckend, dass das nach wie vor tagtägliche Sterben im Mittelmeer immer mehr aus dem Blick gerät, während sich hierzulande rechtspopulistische Haltungen mit migrationsfeindlichen Gesinnungen immer weiter verfestigen. Umso wichtiger ist es, dass wir hinschauen, was diese Produktion ermöglicht und weshalb es mir wichtig war, sie nach Rottenburg zu holen." Auch der Rottenburger Integrationsbeirat ist begrüßt es sehr, dass "see not rescue" im Rahmen der Interkulturellen Woche 2026 einen Platz in Rottenburg hat.
Das Stück fragt schonungslos "Wie kann es so weit kommen? Dass Tausende Männer, Frauen und Kinder im Mittelmeer ertrinken? Dass auf dem Meer Menschen in Not von Drohnen beobachtet und dennoch nicht gerettet werden?" Um die Zuschauer*innen mit dieser aufwühlenden Thematik nicht alleine zu lassen, gibt es im Anschluss an die Aufführung ein Gespräch, an dem sich auch Oberbürgermeister Stephan Neher persönlich beteiligt. Iris Müller-Nowack moderiert die Runde mit den weiteren Gesprächspartner*innen: Thomas Nuding, Kapitän des Rettungsschiffs SARAH (Search And Rescue for All Humans); Aisha Erdes, Sozialarbeiterin in einem psychosozialen Zentrum für traumatisierte Geflüchtete in Stuttgart und Sea-Watch-Mitglied sowie Christian Schad. Er ist Landeskonventionsbeauftragter des DRK Baden-Württemberg und beschäftigt sich unter anderem mit dem Humanitären Völkerrecht und vertritt mit dem Roten Kreuz eine der größten Hilfsorganisationen in der Betreuung geflüchteter Menschen. Flankiert werden das Doku-Theater und die Gesprächsrunde von Infoständen von der Rettungsorganisationen Sea-Watch und SARAH, der Seebrücke Tübingen und der Hochschulgruppe Amnesty International Tübingen sowie dem Sachgebiet Integration & Willkommenskultur der Stadtverwaltung Rottenburg am Neckar.
Für Schüler*innen der weiterführenden Rottenburger Schulen bietet die Stadtverwaltung eine eigene Vorstellung am Vormittag an (Kontakt über oeffentlichkeitsarbeit@rottenburg.de). Auch hier schließt sich eine Gesprächsrunde, mit dem SARAH-Kapitän Thomas Nuding sowie Andreas Linder, Berater bei Plan.B (Beratungsstelle für die Region Tübingen mit Schwerpunkt Asyl- und Ausländerrecht) an, in der auch die Schüler*innen mit ihren Fragen und Empfindungen zu Wort kommen können. Moderiert wird dieses Gespräch mit dem jungen Publikum von der städtischen Integrationsbeauftragten Barbara Kafili.

Die öffentliche Theateraufführung findet in Kooperation mit dem Kino am Waldhorn am 25. September 2026 um 20 Uhr im Kulturzentrum Zehntscheuer statt; Einlass ist ab 19 Uhr (freie Platzwahl). Die Tickets kosten 15 €, ermäßigt 12 €. Den Ticketverkauf übernimmt das Kino am Waldhorn:
"see not rescue" mit Robert Atzlinger, Dorothea Baltzer und Hayan Amer (Regie Christof Küster, Technik Hape Schöpflin) ist in dieser Form einzigartig in Deutschland. Mit auf der Bühne ist der preisgekrönte Posaunist Conny Bauer, bekannt für seine Multiphonic-Technik. Seine langen Töne begleiten den Text, kommentieren, korrespondieren und konterkarieren.
Ein herzliches Dankeschön gilt den Sponsoren, ohne die eine solche Aufführung nicht möglich wäre: Bergfreunde GmbH, Kreissparkasse Tübingen, Volksbank in der Region eG, Omnibus Groß GmbH sowie die evangelische und die katholische Kirchengemeinde Rottenburg.

Mann mit einer Posaune hält Schalltrichter ins GesichtBild vergrößern
Konrad Bauer.

18.08.2026 - Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerengagement


Zusätzliche Informationen und Dienste

Theater "see not rescue"