Breitbandausbau der Stadt Rottenburg am Neckar

Einblicke in die Ausbauaktivitäten

Die digitale Infrastruktur ist längst zu einem wichtigen Grundbedürfnis unserer Gesellschaft geworden. Für Privathaushalte ist die zukunftsfähige Anbindung an eine leistungsstarke Datenautobahn ein bedeutender Standortfaktor, wenn es um die Festlegung des Wohnortes geht. Neue Mitbürger*innen gewinnen bzw. die Einwohner*innen binden zu können hängt mittlerweile sehr stark von der Qualität der Internetversorgung ab.

Für alle Unternehmen – vom kleinen Handwerks- und Dienstleistungsbetrieb bis hin zum global Player - ist ein leistungsfähiger Zugang zu einer Informations- und Kommunikationstechnologie unabdingbar, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Für eine auch künftig wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft ist die leistungsfähige Datentransferinfrastruktur das zentrale Nervensystem. Experten sind sich einig, dass dafür die einzige zukunftsfähige Technik die Glasfaser bis ins Haus (Fiber to the building FTTB / Fiber to the home FTTH) ist. Kupferkabel und VDSL/Vectoring werden diese Zukunftssicherheit nicht bieten. Der Ausbau neuer Glasfasernetze ist deshalb unumgänglich. Das wurde in Rottenburg am Neckar früh erkannt und entsprechend gehandelt, weil sich kein privatwirtschaftlicher Ausbau eines Telekommunikationsunternehmens abzeichnete.

Ausbauschritte


  • 2008

Der Gemeinderat beschloss am 16.12.2008 den Aufbau eines Glasfasernetzes in Eigenregie.


  • 2009

Planung für den Bau des Rottenburger Backbone-Netzes (Datenhauptversorgungsader). Ein Backbone ist sozusagen das Rückgrat eines Netzwerks und bildet somit die grundlegende Basis für die stadtweite Verfügbarkeit der Glasfaser-Technologie.


  • 2010

Projektumsetzung für den Bereich im Neckartal (Bad Niedernau, Obernau, Bieringen). Durchführung eines Ausschreibungsverfahrens für den Netzbetrieb und Abschluss eines Netzbetriebsvertrags im Sommer.
Der Ausbau wurde mit Fördermittel des Landes Baden-Württemberg aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) als Pilotprojekt gefördert und unterstützt.


  • 2011

Fortsetzung des Ausbaus der Glasfasertrasse nach Baisingen, Eckenweiler, Dettingen und Weiler. Auch diese Netzerweiterung wurde mit Fördermittel des Landes Baden-Württemberg aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) gefördert und unterstützt.


  • 2012

Fortsetzung des Ausbaus des Backbone-Netzes nach Hemmendorf.
Auch hierfür wurden Fördermittel des Landes Baden-Württemberg aus dem ELR bewilligt.

  • 2013

Fortsetzung des Ausbaus des Backbone-Netzes nach Frommenhausen. Aufgrund der topographischen Gegebenheiten wurde die Trassenführung von Hemmendorf nach Frommenhausen über das Gewerbegebiet der Gemeinde Hirrlingen gewählt. Dafür wurde die Vereinbarung der interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) mit Hirrlingen vereinbart. So konnte das Hirrlinger Gewerbegebiet mit an das Glasfasernetz angebunden werden. Auch hierfür wurden Fördermittel des Landes Baden-Württemberg aus dem ELR gewährt.

  • 2014 - 2015

Im Zusammenhang mit der Backbone-Planung der Modellregion der Landkreise Tübingen / Reutlingen / Zollernalb fand im Januar 2014 ein Treffen auf Landkreisebene statt, bei dem die Idee der Zusammenarbeit im Rahmen eines interkommunalen Gemeinschaftsprojektes entstand. Ende Februar 2014 trafen sich die Bürgermeister der fünf projektbeteiligten Kommunen (Rottenburg am Neckar, Neustetten, Starzach, Hirrlingen, Rangendingen) und verständigten sich dabei die Zusammenarbeit beim Glasfaserausbau. Die Planungen für dieses umfangreiche Projekt konnte in rekordverdächtiger Zeit ausgearbeitet werden, so dass bereits im April die Förderanträge für die interkommunale Zusammenarbeit (IKZ) der fünf Kommunen gestellt werden konnten. Bei dem rund 37 km umfassenden Ausbauprojekt beteiligt sich das Land Baden-Württemberg über das Förderprogramm „Breitbandinitiative Baden-Württemberg II“ mit 1,1 Mio. Euro an den Ausbaukosten.

Es erfolgte die Ausweitung der Netzinfrastruktur mit Anbindung eines weiteren Anschlusspunktes über einen Hochspannungsmast bei Obernau. Zudem wurde der Ausbau des Backbone-Netzes nach Kiebingen fortgesetzt.


  • 2016

Planung und Antragstellung für Landesfördermittel für die Anbindung aller Schulstandorte auf Rottenburger Gemarkung. Dieses Ausbauprojekt wurde wegen der Ausbaudimension auf sechs Teilabschnitte aufgeteilt, welche über einen Zeitraum von vier Jahren umgesetzt wurde. Die Landesförderung für den Breitbandausbau beträgt rund 2 Mio. Euro.


  • 2017

Ein vom Landkreis initiiertes und unterstütztes Ausbauprojekt im Rahmen des Sonderprogramms „Glasfaserdirektanschlüsse von Gewerbeflächen“ der Landesregierung Baden-Württemberg. Hierfür kam nur ein Teilbereich vom Gewerbegebiet „Siebenlinden“ in Betracht, was die Förderbedingungen erfüllte. Der Landeszuschuss beträgt hier rund 1 Mio. Euro.


  • 2018

Erstellung einer flächendeckenden Strukturplanung für Glasfaserdirektanschlüsse für das gesamte Gemarkungsgebiet mit rund 12.400 Baugrundstücken und dafür erforderlichen 14.600 Haus- und Grundstücksanschlusspunkte.


  • 2019

Klausurtagung „Rottenburg am Neckar auf dem Weg zur digitalen Stadt“. Unter Beteiligung des Gemeinderates, der Stadtverwaltung und verschiedenen Fachleuten wurde als ein Zukunftsthema die Arbeitsgruppe Breitband gebildet. Als Folge daraus wurde die Ausarbeitung und Fortschreibung einer Ausbaukonzeption für die Gesamtstadt umgesetzt.


  • 2020

Planung für das Ausbauprojekt „Weiße Flecken“ (Definition: flächendeckende Versorgung von unter 30 Mbit/s), bei denen Glasfaseranschlüsse zum Grundstück bzw. ins Gebäude verlegt werden. Die Antragstellung der Bundes- und Landesfördermittel erfolgte in einem zweistufigen Verfahren im November und Dezember. An Bundesförderung wurden über deren Projektträger ateneKOM 14 Mio. Euro zugesichert und von der Landesregierung kam im August 2021 die Zusage für die sogenannte Co-Finanzierung weitere 11 Mio. Euro hinzu. Der Zeitraum für die Umsetzung wird auf vier Jahre anvisiert.


  • 2021

An einer Kooperationsvereinbarung mit Telefonica Deutschland zur Anbindung von Telefonica-Mobilfunkstandorten an das Rottenburger Glasfaser-Backbone-Netz wird gearbeitet.

Mitte des Jahres 2021 kamen vermehrt Anfragen von Telekommunikationsunternehmen (TKU) und Betreibergesellschaften, welche eigenwirtschaftliche Ausbauinteresse in Teilbereichen von Rottenburg am Neckar bekundet haben. Hierzu fanden Gespräche statt, ob und wie dies in das Gesamtkonzept der Stadt integriert werden kann. Das in den vergangenen Jahren geschaffene städtischen Glasfaser-Backbone-Netzes hat dazu beigetragen, dass mehrere TKU den weiteren FTTB/H Ausbau auf eigene Kosten bei uns in Erwägung ziehen.

Mitte November 2021 stellten sich zwei der TKU im Gemeinderat vor und erläuterten deren eigen-wirtschaftliche Ausbaubestrebungen. Beide TKU sind bereits Vertragspartner mit der Stadt als Betreiber und Diensteanbieter im kommunalen Glasfasernetz. Sollte es mit einem oder beiden TKU zu einer Kooperationsvereinbarung für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau kommen, würde nach deren Aussage der Projektstart unverzüglich erfolgen. Für die Umsetzungsphase wird ein „ambitionierter“ Zeitraum von 2 – 3 Jahren genannt. Derzeit werden die angebotenen Kooperationsverträge geprüft.


  • 2022

In seiner Sitzung am 22. Februar hat der Gemeinderat entschieden, mit den Telekommunikationsunternehmen Netcom BW und Deutsche Glasfaser zu kooperieren. Beide Anbieter nehmen einen privatwirtschaftlichen Ausbau vor. Das heißt, die Unternehmen bauen die Infrastruktur auf eigene Kosten aus und bieten später Dienstleistungsverträge an, um das zu refinanzieren.

Ausbaustufen und Technologien beim Breitbandausbau

Schaubild Breitbandausbau TechnologienBild vergrößern
Quelle: Breitbandkompetenzzentrum (BKZ) Sachsen.

Erläuterung der Breitbandanschlussvarianten:

Fibre to the Curb - FTTC
Zuleitung bis zum Schaltverteiler / Kabelverzweiger (KVz) bzw. MFG (Multifunktionsgehäuse) über einen Lichtwellenleiter (LWL) = Glasfaserkabel. Von dort aus über vorhandene Kupferleitungen zum Grundstück / Haus / Endgerät.

Fibre to the Building - FTTB
Die Datenübertragung erfolgt über Glasfaserkabel durchgehend bis zum Grundstück. Von dort aus läuft die Übertragung über Kupferleitungen.

Fibre to the Home - FTTH
Die Datenübertragung erfolgt über Glasfaserkabel durchgehend bis zum Grundstück und auch so im Gebäude, bis zu jedem Endgerät (sog. Punkt zu Punkt Glasfaserverbindung).

Breitbandentwicklung

In Anlehnung an das „mooresche Gesetz“, wonach sich die Leistungsfähigkeit der Computer-Prozessoren alle 18 Monate verdoppelt, wurde das “Nielsens Law” beschrieben. Wobei es sich in beiden Fällen nicht um Naturgesetze im eigentlichen Sinne handelt, aber die Entwicklung bestätigte die jeweilige Theorie. Jakob Nielsen hat festgestellt, dass sich die Bandbreite beim Endkunden jedes Jahr um 50% erhöht. Auf Basis der historischen Entwicklung zeigt sich diese Entwicklung der Datenvolumen:
Schaubild Breitbandausbau Anstieg über die JahreBild vergrößern
Quelle: FTTH.blog, C. Notz, Kerken).

Schaubild Breitbandausbau GeschwindigkeitenBild vergrößern
Schaubild Breitbandausbau Geschwindigkeiten.

Ausblick

Mit dem ersten große Schritt der Schaffung des stadtweiten Glasfaser-Backbone-Netzes und der Versorgung sämtlicher Schulstandorte mit Glasfasergebäudeanschlüssen wird der flächendeckende FTTB/H Ausbau mit Glasfasergrundstücks- bzw. Hausanschlüssen vorangetrieben. Mit den Erkenntnissen und Zielsetzungen aus der Klausurtagung Anfang 2019 wurde der flächendeckende FTTB/H Ausbau als eine dringliche Aufgabe benannt und weitere Schritte eingeleitet, damit das Ziel einer flächendeckenden FTTB/H-Glasfaserinfrastruktur möglichst schnell erreicht wird.

Mit dem Angebot zweier Telekommunikationsunternehmen, diesen Ausbau auf eigene Kosten durchzuführen, könnte das Ziel bereits bis 2025 erreicht werden. Hierbei ist zu betonen, ob und in welcher Form bzw. Dimension ein sog. eigenwirtschaftlicher Ausbau erfolgt entscheiden die Telekommunikationsunternehmen selbst und nach eigenen Parametern. Die Stadtverwaltung hat hierauf keinen Einfluss und kann/darf auch keine Vorgaben in diese Richtung machen. Das Gegenteil ist der Fall, da die öffentliche Hand aus rechtlichen Gründen nicht in das Marktgeschehen im Telekommunikationsbereich eingreifen darf.

Als Kommune profitieren wir beim Auf- und Ausbau des kommunalen Glasfasernetzes maßgeblich von der finanziellen Unterstützung durch verschiedensten Zuschüsse der Landesregierung Baden-Württemberg (verantwortlich hierfür ist das Ministerium des Inneren, Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg) als auch der Bundesregierung (verantwortlich hierfür ist das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV)).

Stadtverwaltung Rottenburg am Neckar, Stadtplanungsamt. Stand August 2022

Gefördert durch

Inhalt

Geförderte Projekte

Das Glasfaserausbauprojekt ?Aufbau eines Backbone- sowie Höchstgeschwindigkeits- Netzes zur Schulanbindung? ...
weiterlesen


 


Zusätzliche Informationen und Dienste

Ein Netzwerkkabel

Stadtplanungsamt, Dezernat 2

Ansprechpartner

E-Mail:
alexander.braun@rottenb...
Telefon:
07472-165-366
Telefax:
07472 -165-302

Breitbandkoordinator Alexander Braun
Marktplatz 18
72108 Rottenburg am Neckar