Bürgermeisterin packt mit an

Der städtische Eigenbetrieb Technische Betriebe Rottenburg am Neckar (TBR) wurde im Januar 2005 gegründet und übernimmt seither eine Vielzahl an Aufgaben, die das tägliche Leben in der Stadt maßgeblich mitgestalten. Dazu zählen unter anderem das Reinigen, Räumen und Bestreuen der Straßen, gärtnerische und technische Dienstleistungen im Stadtgebiet sowie die Pflege und Unterhaltung der Friedhöfe.

Viele dieser Arbeiten geschehen früh morgens und bleiben für den Großteil der Bevölkerung unsichtbar. Um ein besseres Verständnis für die Herausforderungen und den Arbeitsalltag der TBR-Mitarbeitenden zu bekommen, hat Bürgermeisterin Annette Schwieren zwei Tage lang selbst mit angepackt – Müll gesammelt, Beete gepflegt, Gespräche geführt.

Ihr Ziel: Mehr Wertschätzung schaffen – und das Bewusstsein in der Bevölkerung für den Umgang mit Müll und öffentlichem Raum stärken. Im Gespräch mit der Redaktion der Stadtverwaltung berichtet sie über ihre Eindrücke.
Was sind Ihre Eindrücke nach zwei Tagen Mitarbeit bei den TBR? Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Am meisten beeindruckt hat mich, mit wie wenig Hilfsmitteln die Arbeit dort erledigt wird. Vieles geschieht noch in reiner Handarbeit. Gearbeitet wird oft mit Geräten, die man auch aus dem heimischen Garten kennt. Ich finde, dass man die Ausstattung verbessern könnte.

Gab es Gespräche mit den Mitarbeitenden – was beschäftigt sie?

Ja, ich konnte mit einigen Mitarbeitenden sprechen. Ein Thema, das dabei deutlich wurde, ist der Wunsch nach einem Abroll-LKW mit passenden Mulden. Beim Grüngut beispielsweise benötigen ein oder zwei Mitarbeitende aktuell bis zu acht Tage, um einen großen Haufen vollständig per Hand zu verladen. Mit einer Abrollmulde könnte man viel effektiver arbeiten.
Was mich aber besonders beeindruckt hat: das hohe Verantwortungsbewusstsein. Die Mitarbeitenden sehen es als ihre Stadt, ihre Mülleimer, ihre Beete. Manche kümmern sich sogar in ihrer Freizeit um Pflanzen oder versuchen, selbstständig Ersatz zu organisieren, wenn die Stadt keine Mittel bereitstellen kann. Auf der einen Seite ist das großartig, auf der anderen Seite zeigt es aber auch, wie wenig Unterstützung sie teilweise erhalten – das darf nicht allein auf den Schultern der Mitarbeitenden lasten.

Gibt es Reaktionen aus der Bevölkerung während der Arbeit?

Ja, sehr viele sogar. Die Mitarbeitenden werden häufig angesprochen – sowohl positiv als auch negativ. Am Freitag, als wir Müll eingesammelt haben, gab es viel Lob und Dank von den Bürgerinnen und Bürgern. Das wird sehr wertgeschätzt.
Es gibt aber auch negative Erlebnisse. Beim Aufräumen rund um die Glaskontainer wurden wir beispielsweise beschimpft, weil keine Videoüberwachung vorhanden sei. Dabei ist es natürlich nicht Aufgabe der Mitarbeitenden, solche Maßnahmen zu installieren. Zum Glück sind solche Vorfälle die Ausnahme. Insgesamt zeigen die Menschen viel Interesse – manche bieten sogar Pflanzen zum Tausch an. Besonders die Bepflanzung der Verkehrsinseln kommt gut an.

Wie schätzen Sie die Müllsituation in Rottenburg ein?

So dramatisch wie es manchmal dargestellt wird, ist es nicht – aber es liegt definitiv zu viel Müll herum. Besonders aufgefallen sind mir die Zigarettenkippen. Es ist schockierend, wie viele davon überall verteilt sind. Diese können gar nicht alle eingesammelt werden. Auch Kronkorken sind ein Problem.
Was viele nicht wissen: Die größten Müllmengen werden schon am frühen Morgen beseitigt, bevor die meisten Menschen überhaupt unterwegs sind. Mitarbeitende der TBR machen dann einen ersten Rundgang und entfernen das Gröbste – vieles bleibt also unsichtbar.

Welche Themen sehen Sie als besonders wichtig für die Zukunft der TBR an?

Eine Baustelle ist ganz klar die Ausstattung. Viele Mitarbeitende wollen ihre Aufgaben ordentlich und mit Sorgfalt erledigen, aber die Kapazitäten reichen oft nicht aus.
Ein weiteres Thema sind die Mülleimer: An einigen Orten gibt es zu wenige, an anderen werden sie durchwühlt – hier braucht es neue Modelle oder Systeme. Auch das Thema Zigaretten sollte stärker geahndet werden. Es kann nicht Aufgabe der Allgemeinheit sein, Aschenbecher bereitzustellen – jeder sollte selbst ein Döschen mitführen und seine Kippen fachgerecht entsorgen.
Zudem sollten die Mitarbeitenden noch stärker einbezogen werden. In den zwei Tagen habe ich viele sehr sinnvolle Vorschläge gehört – keine Luxusforderungen, sondern durchdachte, praktikable Ideen.

Ihr Fazit nach zwei Tagen Mitarbeit bei den TBR?

Ich finde, jeder Bürger sollte einmal ein paar Tage bei den TBR mitarbeiten. Erst dann wird einem bewusst, was es bedeutet, Müll achtlos wegzuwerfen, etwas zu beschädigen oder Hundekot liegenzulassen.
Den Mitarbeitenden der TBR kann ich nur meinen größten Respekt und Dank aussprechen. Sie leisten jeden Tag Enormes, um unsere Stadt sauber, schön und lebenswert zu halten.
07.08.2025


Zusätzliche Informationen und Dienste

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