Konzeption des Windparks ändert sich

Der Rottenburger Windpark wird kleiner ausfallen als bislang geplant. Geologische Untersuchungen haben ergeben, dass bei drei der geplanten Standorte Gipskeuper- und Anhydritvorkommen die Standfestigkeit der Windräder erheblich erschweren würden; und zwar so schwer, dass sich die Stadtwerke Rottenburg gemeinsam mit der Stadt Rottenburg am Neckar und dem weiteren Gesellschafter der Altus renewables GmbH dazu entschieden haben, auf diese drei Standorte zu verzichten. Mit zusätzlichen Maßnahmen trotz der geologischen Lage für ausreichende Standsicherheit zu sorgen, ist nach Einschätzung der Experten mit nicht mehr vertretbaren Kosten verbunden. Gipskeuper und Anhydrit verändern den Boden, wenn sie bei Erdarbeiten mit Wasser in Berührung kommen; einerseits kann starkes Aufquellen den Boden anheben und andererseits können durch Auflösungen Hohlkammern entstehen. Dass die Fläche, die für den Windpark vorgesehen war, möglicherweise in der Tiefe Gipskeuper birgt, war auch schon früher bekannt. Aber gezielte Bohrungen für eine genaue geologische Untersuchung in einer Tiefe von etwa 25 Metern waren erst möglich, nachdem die Grundstücksfragen alle geklärt und somit genaue Standorte definiert waren. Für prophylaktische Untersuchungen in dem gesamten Gebiet war die Fläche zu groß.

Für Oberbürgermeister Stephan Neher ist die Entscheidung, die betroffenen Standorte nicht weiter zu verfolgen, bedauerlich, bedeutet aber nicht, den Windpark jetzt aufzugeben. „Das seit 2022 entwickelte Windenergieprojekt wird deshalb trotz veränderter Rahmenbedingungen weiterverfolgt und auf die drei verbleibenden Anlagenstandorte konzentriert“, so Neher. Stadt und Stadtwerke waren bei diesem Projekt angetreten, um die Nutzung erneuerbarer Energien in Rottenburg weiter voranzubringen. Nach Aussage des Geschäftsführers der Stadtwerke Rottenburg, Justus Hoffmann, bleibt dies auch so; da die drei verbleibenden Windenergieanlage eine Gesamtleistung von 17,1 MW schaffen und auf Grundlage der bisherigen Berechnungen rund 25 Mio KWh Strom pro Jahr erzeugen werden.

Die Entwicklung des Windenergieprojekts startete 2022 auf der Fläche zwischen den Ortschaften Hailfingen, Oberndorf, Wendelsheim und Seebronn. Mit Unterstützung der Stadt Rottenburg haben die Stadtwerke Rottenburg gemeinsam mit dem Windenergieprojektierer Altus renewables GmbH die Planung für den Windpark initiiert. Ursprünglich wurde ein Windpark mit acht Windenergieanlagen mit jeweils 5,7 Megawatt Leistung und damit einer Gesamtleistung von 45,6 MW untersucht. Wie bei einem Projekt dieser Größenordnung üblich, wurden die Planungen im weiteren Verlauf aufgrund neuer Erkenntnisse angepasst. Eine Ortschaft hatte sich gegen die Verpachtung der notwendigen Flächen entschieden. Im Juni 2025 wurde schließlich der Genehmigungsantrag für sechs Windenergieanlagen mit einer Leistung von 34,2 MW und einem Jahresertrag von 52 GWh eingereicht.

Die jetzt vorliegenden Erkenntnisse aus den geologischen Untersuchungen und der damit einhergehenden Reduzierung der Standorte bedeutet nicht das Ende des Projekts. Die Planungsarbeiten bei den drei verbleibenden Standorten werden weiterentwickelt und abgeschlossen. Stadt und Stadtwerke rechnen damit, dass das beim Landratsamt Tübingen anhängige Genehmigungsverfahren im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen sein wird. Danach folgt die wirtschaftliche Bewertung aufgrund der veränderten Planung. Die Neuaufstellung des Projekts hinsichtlich Betreiberstruktur wird parallel bearbeitet. Indem das Projekt insgesamt kleiner wird, bietet es die Chance ein stärker regionales Projekt zu werden. Auch werden sich die voraussichtlichen Investitionskosten reduzieren. Ein Windpark dieser Größenordnung braucht beispielsweise kein eigenes Umspannwerk, sondern kann an die vorhandene Infrastruktur angeschlossen werden.

Stadt und Stadtwerke sind sich einig: Die Eigenerzeugung erneuerbaren Stroms ist ökologisch sinnvoll und unabdingbar; zumal auch die geopolitische Lage schon heute eine ganz andere ist, als noch vor vier Jahren, zu Beginn des Projekts. „Energiesicherheit ist zwischenzeitlich eins der wesentlichen Ziele“, betont Erste Bürgermeisterin Annette Schwieren. „Und die erreichen wir, in dem wir uns so unabhängig wie möglich machen, u.a. mit Windkraft.“
02.11.2026 - Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerengagement


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