Nachhaltige Wärmeversorgung

Auf dem Weg, für Rottenburg am Neckar mithilfe erneuerbarer Energien die Energiewende weiter voranzutreiben, sind Stadt und Stadtwerke ein großes Stück weitergekommen. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats deutlich.

Im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung wurden der Abschlussbericht zur Untersuchung der Altstadt für eine mögliche Wärmenetzversorgung und die BEW-Machbarkeitsstudie zum Nahwärmenetz in Rottenburg-Oberndorf vorgestellt: „Ein klimafreundliches Wärmenetz ist hier wirtschaftlich darstellbar“, so das erfreuliche Ergebnis, das bereits vergangene Woche in der Ortschaftsratsitzung in Oberndorf öffentlich vorgestellt wurde. BEW steht für „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“, womit der Neubau von Wärmenetzen mit hohen Anteilen erneuerbarer Energien gefördert wird. Ein Wärmenetz verbindet mehrere Gebäude über ein gemeinsames Leitungsnetz und versorgt diese mit Wärme. Die BEW-Studie für die Altstadt wurde von der IBS Ingenieurgesellschaft mbH, Bietigheim-Bissingen, durchgeführt; die BEW-Studie in Oberndorf von Drees & Sommer. Beide wurden durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gefördert.

Die Untersuchung in Oberndorf ist eine der fünf Maßnahmen aus der Kommunalen Wärmeplanung der Stadt Rottenburg am Neckar. Die Wahl fiel auf diese Ortschaft, u.a. weil hier bereits die „Bürgerinitiative Oberndorfer Nahwärme“ mit großer Unterstützung vorangegangen ist; aber auch aufgrund der geografischen Lage zu dem geplanten Windpark. Wendelsheim und Hailfingen, wo ebenfalls Windräder vorgesehen sind, werden als nächstes untersucht. Die BEW-Studie mit einer ausführlichen Bestandsanalyse, bei der beispielsweise Alter und Zustand sämtlicher Gebäude, aber auch die Bebauungsdichte und mögliche Wärmequellen systematisch erfasst werden, ist essentiell, wenn im späteren Verlauf Fördergelder in Anspruch genommen werden. Diese sind notwendig, um ein Wärmenetz mit investiven Maßnahmen in Millionenhöhe umsetzen zu können.

Die BEW-Studie in Oberndorf liefert nun eine rechnerische Grundlage mit Energiebedarf und Verbrauch als Basis für die weiteren Planungsschritte, um das Wärmenetz zu dimensionieren und einen Standort für die Heizzentrale zu lokalisieren. Dieser wird im Gewerbegebiet favorisiert. Dort besitzt die Stadt Rottenburg am Neckar eigene Flächen, eine Änderung des Bebauungs- oder Flächennutzungsplans wäre hier nicht erforderlich und der Lieferverkehr für die voraussichtlich mit Hackschnitzel zu betreibende Heizzentrale könnte störungsfrei sichergestellt werden. Ausgehend von diesem Standort und auf Grundlage eines Quartierskonzepts, das der BEW-Studie vorausgegangen ist, kann nun die Wirtschaftlichkeit genauer in den Fokus genommen werden. Entscheidend sind die Potentiale für erneuerbare Energien, also Solarthermie, Holzhackschnitzel, Warmwasserspeicher, Power-to-Heat und Wärmepumpe, die der „Einzellösung“ gegenübergestellt werden. „Einzellösung“ heißt, dass sich jeder Hausbesitzer selbst um seine Heizungsanlage kümmert. Von insgesamt vier Varianten mit verschiedenen Kombinationen erweist sich die Kombination mit „Solarthermie, Holzhackschnitzel, Warmwasserspeicher und Power-to-Heat“ als wirtschaftlicher gegenüber den Einzellösungen mit Wärmepumpe oder Pellet-Anlage. Dies ist entscheidend, denn die Höhe des Wärmepreises ist am Ende entscheidend für oder gegen ein Wärmenetz. Deshalb freuen sich die Stadt Rottenburg am Neckar, der Ortschaftsrat sowie Ortsvorsteherin Diana Arnold über das Ergebnis der BEW-Studie, das aussagt, dass nachhaltige Wärmeversorgung in Oberndorf wirtschaftlich darstellbar ist und somit die Energiewende neben dem bereits realisierten Wärmenetz im neuen Baugebiet Engwiesen II auch im Bestand vorangetrieben werden kann.


Genauso erfreulich bewerten die Stadtwerke auch das Ergebnis der BEW-Studie für die Rottenburger Altstadt: Das Konzept biete eine vielversprechende Perspektive, um eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Wärmeversorgung zu realisieren, die sowohl ökologischen als auch ökonomischen Anforderungen gerecht werde. Eingehend untersucht wurden mehrere potentielle Standorte für Heizzentralen, um die optimale Lösung für die Kernstadt zu finden. In der ersten von zwei Ausbaustufen soll diese mit einem Ring Großverbraucher wie u.a. Landesliegenschaften, das Wärmenetz Rathaus und Sonderkunden der Stadtwerke versorgen und zusätzlich alle möglichen Gebäude entlang der etwa 4 km langen Trasse aufnehmen. Dabei soll die Wärmeerzeugung hauptsächlich über eine Flusswärmepumpe erfolgen. Diese wird mit eigenem Strom des Flusskraftwerks Tübinger Straße gespeist. Den Standort der Heizzentrale sehen die Stadtwerke dann ebenfalls in der Tübinger Straße; ergänzt durch eine Pelletheizung, einen Elektrokessel und einen Großspeicher. Die Umsetzung der Ausbaustufe 1 wird bis 2031 avisiert. Die Ausbaustufe 2 sieht dann die Versorgung des Altstadtgebiets mit Fernwärme vor; mit einer zusätzlichen Heizzentrale, die hauptsächlich mit einer Hackschnitzelheizung betrieben und von einer Wärmepumpe unterstützt wird.

Die Stadtwerke verfolgen das Ziel bisherige Gaskunden als künftige Wärmekunden zu gewinnen und sehen nun anhand der BEW-Studie, dass dies aufgrund der hohen Wärmedichte auch wirtschaftlich gut möglich ist; insbesondere auch mithilfe aktueller Fördersätze. In Kürze ist eine öffentliche Bürgerinfo vorgesehen.

Während die Stadtwerke Rottenburg ihren Fokus auf eben diesem Wärmenetzprojekt in der Kernstadt haben, läuft in Oberndorf aktuell die Betreibersuche; erste Gespräche haben dazu bereits stattgefunden: Also wer setzt künftig das Netz um und betreibt es dann? Am 1. Oktober findet in der Oberndorfer Mehrzweckhalle eine Bürgerinformation statt.
02.07.2025 - Stadtplanungsamt, Stabsstelle Umwelt und Klimaschutz


Zusätzliche Informationen und Dienste

Eignungsgebiete